Aktuelle Lage Pensionskassen
Höhere Verzinsungen und stabile Pensionskassen – aber grosse Unterschiede bleiben bestehen
Die Schweizer Pensionskassen präsentieren sich aktuell finanziell deutlich stabiler als noch vor wenigen Jahren. Nach den schwierigen Marktphasen seit dem Jahre 2022 konnten sich die Deckungsgrade vieler Vorsorgeeinrichtungen dank positiver Anlagejahre wieder deutlich erholen. Gemäss der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) lag der durchschnittliche Deckungsgrad privatrechtlicher Vorsorgeeinrichtungen per Ende 2025 wieder bei rund 117 %. Gleichzeitig bewegten sich die durchschnittlichen Nettovermögensrenditen erneut auf erfreulichem Niveau.
Auch die Swisscanto Pensionskassenstudie 2025 bestätigt diesen Trend. Die durchschnittliche Performance lag 2025 bei rund 6 %, wobei einzelne Vorsorgeeinrichtungen deutlich höhere Renditen erzielen konnten. Entsprechend profitierten auch die aktiv Versicherten zunehmend von besseren Verzinsungen ihrer Altersguthaben. Die durchschnittliche Verzinsung lag gemäss Studie bei rund 4.3 % und damit deutlich über dem gesetzlichen BVG-Mindestzinssatz von aktuell 1.25 %.
Grosse Unterschiede zwischen den Pensionskassen
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung zeigen sich innerhalb des Vorsorgemarkte weiterhin erhebliche Unterschiede. Je nach Anlagestrategie, Versichertenstruktur und finanzieller Risikofähigkeit unterscheiden sich Verzinsungen und Kennzahlen teilweise markant. Gerade in der beruflichen Vorsorge haben bereits kleine Unterschiede bei der Verzinsung langfristig grosse Auswirkungen auf das Alterskapital und die zukünftigen Altersleistungen. Eine Differenz von lediglich 1–2 % pro Jahr kann über Jahrzehnte mehrere hunderttausend Franken Unterschied beim Altersguthaben ausmachen. Gleichzeitig bestehen auch bei Risiko- und Verwaltungskosten erhebliche Marktunterschiede.
Entsprechend gewinnt die regelmässige Überprüfung der Vorsorgelösung zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es heute längst nicht mehr nur um Kostenvergleiche, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung der Vorsorgeeinrichtung:
- Wie stabil und nachhaltig ist die Pensionskasse finanziell aufgestellt?
- Wie attraktiv war die Verzinsung in den vergangenen Jahren?
- Wie hoch sind Deckungsgrad und Wertschwankungsreserven?
- Stimmen Leistungen, Kosten und Struktur mit den Bedürfnissen des Unternehmens überein?
- Ist die gewählte Organisationsform weiterhin sinnvoll?
Gerade diese Fragestellungen gewinnen angesichts der zunehmenden Unterschiede zwischen den Vorsorgeeinrichtungen stark an Relevanz.
Trend zum Kapitalbezug hält an
Parallel dazu verändert sich auch das Verhalten der Versicherten. Gemäss der Swisscanto Pensionskassenstudie entscheiden sich heute nur noch rund 39 % der Versicherten ausschliesslich für eine lebenslange Rente. Der Trend zu Teil- oder Vollkapitalbezügen setzt sich damit weiter fort.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Wunsch nach mehr Flexibilität
- Individuelle Vermögens- und Nachlassplanung
- Steueroptimierung
- Eigenständige Anlagestrategien
- Teilpensionierungen und flexible Pensionierungsmodelle
Der Kapitalbezug bietet Chancen, bringt jedoch auch Risiken mit sich. Während bei einer Rente die Pensionskasse das Langlebigkeits- und Anlagerisiko übernimmt, trägt dieses Risiko bei einem Kapitalbezug die versicherte Person selbst. Gerade aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird eine langfristige Finanz- und Liquiditätsplanung deshalb immer wichtiger.
Regulatorische und politische Entwicklungen
Auch regulatorisch und politisch bleibt die berufliche Vorsorge stark in Bewegung. Die OAK BV hat ihre Vorgaben und Mitteilungen in den vergangenen Jahren weiter konkretisiert. Insbesondere bei Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen wird verstärkt darauf geachtet, dass sogenannte Mehrverzinsungen nachhaltig finanziert sind.
Konkret bedeutet dies: Zusätzliche Verzinsungen über dem BVG-Mindestzins sollen grundsätzlich nur dann gewährt werden, wenn gleichzeitig ausreichend Wertschwankungsreserven vorhanden sind beziehungsweise die finanzielle Risikofähigkeit der Vorsorgeeinrichtung dies zulässt. Hintergrund dieser Regulierung ist die Vermeidung von übermässigen Risiken und einer möglichen Umverteilung zulasten zukünftiger Generationen.
Dies erklärt auch, weshalb gewisse Pensionskassen trotz sehr guter Anlagejahre teilweise zurückhaltender verzinsen als andere. Entscheidend ist heute nicht mehr nur die kurzfristige Performance, sondern insbesondere die nachhaltige finanzielle Stabilität der Vorsorgeeinrichtung.
Auch steuerlich bleibt die Berufliche Vorsorge im politischen Fokus. Im Rahmen des bundesrätlichen Entlastungspakets 27 wurde unter anderem vorgeschlagen, Kapitalleistungen aus der Beruflichen Vorsorge und der Säule 3a künftig stärker zu besteuern. Zwar wurden diese Vorschläge vom Parlament vorerst gestoppt, die Diskussion zeigt jedoch klar, dass Kapitalbezüge künftig stärker im Fokus von Politik und Behörden stehen dürften.
Fazit
Die Berufliche Vorsorge befindet sich aktuell in einer erfreulich stabilen Verfassung. Viele Pensionskassen konnten Reserven stärken und die Versicherten wieder stärker am Anlageerfolg beteiligen. Gleichzeitig nehmen jedoch die Unterschiede zwischen den einzelnen Vorsorgeeinrichtungen spürbar zu. Für Unternehmen lohnt es sich deshalb mehr denn je, die eigene Vorsorgelösung regelmässig zu überprüfen, nicht nur hinsichtlich der definierten Vorsorgeleistungen, sondern insbesondere auch bezüglich Verzinsung, finanzieller Stabilität, Nachhaltigkeit der Verzinsungspolitik sowie langfristiger Ausrichtung. Eine moderne und gut abgestimmte Vorsorgelösung bleibt ein zentraler Faktor für Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeitendenbindung und langfristige finanzielle Sicherheit.
Quellen:
Swisscanto Pensionskassenstudie 2025
OAK BV – Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge